STN:ORT 1947-2017 Kronikarz naszych marzeń Chronist unserer Träume Chronicler of our Dreams STN:ORT NEWS 11/2017 (6)

Liebe Freunde des Schlosses in Sztynort und Unterstützer der Initiative Stn:ort

 

wir freuen uns, Euch unseren aktuellen Newsletter zukommen zu lassen.

 

Mit etwas Verspätung möchten wir Ihnen/Euch in diesem Newsletter von unserer Feier Ende September in Sztynort berichten.

An diesem Tag feierten wir in wunderbarer Gesellschaft den Beginn der Sanierungsarbeiten an der Lehndorff’schen Grabkapelle in Sztynort und den Erfolg der ersten Ausstellungssaison vor dem Schloss mit „Chronist unserer Träume. Das Schloss Sztynort 1947-2017“.

 

Die Organisationsstrategie für diese Veranstaltung war eher unkonventionell: Wir konnten unsere Gäste wegen einer kurzfristigen Förderungs-Deadline erst sehr spontan einladen. Trotzdem ging alles gut: als wir um 12 Uhr am 24. September

vor dem Schloss die Tische mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen aufgebaut hatten, waren wir in der Gesellschaft von

rund dreißig Gästen aus der Umgebung von Sztynort, aber auch aus Danzig und Warschau, die der Einladung gefolgt waren.

 

Alle waren sie ausgestattet mit Gummistiefeln und bereit einen über zwei Kilometer langen Spaziergang durch den Schlamm

und das Gestrüpp auf sich zu nehmen, um bei der Segnung der Kapelle für die Sanierungsarbeiten dabei zu sein. So hatten

wir es angekündigt. Nur, da am vorherigen Tage der Spazierweg von den Experten Mathias Hohl und Prof. Wolfram Jäger als unpassierbar erklärt worden war und alle Anstrengung von Mathias Hohl, den Weg irgendwie zugänglich zu machen, wort-

wörtlich im Sand verliefen, musste eine Alternative her. Diese war wiederum um einiges attraktiver als der ursprüngliche

Plan: Schnell wurde mithilfe der Mitarbeiter des Jachthafens ein Motorboot gemietet, das die Gruppe in drei Etappen am Sztynorter Kanal absetzte, von wo aus die Kapelle nur noch einen kurzen Fußweg entfernt war. Und insofern wurden die

Gäste gewissermaßen im Nachhinein für ihre Spontaneität, Abenteuerlust, und Unterstützung belohnt. Beim Überbrücken

der Wartezeit half die Blaskapelle aus Węgorzewo unter Leitung von Kapellmeister Krzysztof Bielaszka mit ihrer Inter-

pretation des Stückes "Amazing Grace".

 

Ökumenische Andacht zum Beginn der Sanierungsarbeiten in Sztynort

 

Nach der Bootsfahrt erreichten alle die Kapelle zu einer ökumenischen Andacht, die Bogdan Brusiło von der römisch-katholischen Gemeinde in Radzieje und Krystian Borkowski von der evangelisch-augsburgischen Gemeinde in Giżycko gemeinsam leiteten. Krystian Borkowski eine zweisprachige Version des Hirtenpsalmes (Psalm 23) mitgebracht, die alle Anwesenden gemeinsam vorlasen.

 

  • „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Amen."

 

  • „Pan jest pasterzem moim, Niczego mi nie braknie.  Na niwach zielonych pasie mnie. Nad wody spokojne prowadzi mnie.  Duszę moją pokrzepia. Wiedzie mnie ścieżkami sprawiedliwości Ze względu na imię swoje. Choćbym nawet szedł ciemną doliną, Zła się nie ulęknę, boś Ty ze mną, Laska twoja i kij twój mnie pocieszają.  Zastawiasz przede mną stół wobec nieprzyjaciół moich, Namaszczasz oliwą głowę moją, kielich mój przelewa się.  Dobroć i łaska towarzyszyć mi będą Przez wszystkie dni życia mego. I zamieszkam w domu Pana przez długie dni. Amen“

 

Auch Prof. Dr. Wolfram Jäger, der Initiator der Sanierung der Kapelle, sprach ein Gebet, das er sich zum Anlass ausgewählt hatte. Für ihn und seine Frau Brigitte Jäger war die Veranstaltung ein ganz besonderer Moment. In langem Engagement hatte Wolfram Jäger in den vergangenen Jahren die gesamten Mittel für die Sanierung beschafft, die eine Hälfte durch Spenden, die er sich zu seinem 65. Geburtstag anstatt weiterer Geschenke gewünscht hatte, und die andere aus eingeworbenen Förder-mitteln vom Bundesministerium für Kultur und Medien. Nach der gemeinsamen Andacht erquickte Dr. Jerzy Łapo vom Muzeum Kultury Ludowej aus Węgorzewo die Runde mit einem Vortrag zu den historischen Protagonisten, in deren Leben die Kapelle eine Rolle gespielt hatte. So erfuhren die Zuhörer unter anderem von dem außergewöhnlichen Zufall, dass der Pfarrer, der die erste Weihung der Kapelle durchführte den Nachnamen Borkowski trug - genau wie Krystian Borkowski, der an unserer ökumenischen Andacht den evangelischen Part übernahm.

 

Eine kleine Exkursion ins Pressearchiv zu Steinort lehrt uns, dass die Idee der erneuten religiösen Nutzung der Kapelle ist im Übrigen nicht ganz neu ist. Jerzy Kijkowski, ehemals Propst von Radzieje, machte bereits im Jahr 2003 den Vorschlag in der Kapelle Gottesdienste für Segler abzuhalten und hätte das Gebäude gerne saniert. Diese Chance tat sich ihm im Jahr 2004

dann sogar auf, damals hatte das Umweltreferat der Gemeinde Węgorzewo erst der katholischen, dann der evangelischen Gemeinde die Kapelle zur Übernahme angeboten. Da die geschätzten Renovierungskosten jedoch mit 100 000zł. zu hoch

waren, mussten die beide Gemeinden allerdings auf das Angebot verzichten – sie hatten schon genügend Sanierungsarbeiten

an ihren eigenen Gotteshäusern zu erledigen. Zur Sicherung der Kapelle wurde ihr Eingang zugemauert. Über diese Entwick-lung berichtete die Gazeta Olsztyńska in den Jahren 2003 und 2004 (Olsztyner Zeitung). Am 23. September 2017 brachen Mathias Hohl und seine Arbeitskräfte das gemauerte Siegel der Kapelle dann endgültig und legten den Eingang wieder frei.

Und so waren am 24. September zum ersten Mal seit über dreizehn Jahren wieder Menschen zu einer Andacht in der Kapelle,

schallten wieder musikalische Klänge durch das Gebäude.

 

Nach dem Ausflug zur Kapelle machte sich die Gruppe, noch einmal per Boot, auf den Rückweg. Unter den Gästen waren

auch Marcin Białous mit zweier seiner Praktikanten aus dem sonnigen Haus (Słoneczny Dom) in Gołdap, einer im Jahr 2013 gegründeten Einrichtung zur Förderung der Selbständigkeit für Menschen mit geistigen Behinderungen. Es freut uns sehr,

dass die Gruppe vom Sonnigen Haus auch an zukünftiger Zusammenarbeit mit der Initiative Stn:ort Interesse hat.

Gemeinsam denken wir über eine Kunstausstellung im Schloss im Jahr 2018 nach.

 

Saisonabschluss von „Chronist unserer Träume“

 

Zurück am Schloss eröffnete Hannah Wadle, die Verfasserin der diesjährigen Ausstellung und Organisatorin der Initiative stnort.org, mit einer kleinen Ansprache das Büffet mit ihren hausgemachten Kuchen. Sie ließ die vergangenen Veranstal-

tungen, die Ausstellungseröffnung im Mai und die kreative Woche im August, Revue passieren. Dabei betonte sie den

Zauber menschlicher Begegnungen, die sie bei beiden Veranstaltungen am Schloss erlebte. Die Diskussion über Träume

und Zukunftsphantasien, die im Rahmen der Ausstellung geführt wurde sei wichtig, um sich darüber klar zu werden,

woher unsere Träume kommen, wessen Träume wir träumen, und wie wir gemeinsam nachhaltig Visionen entwickeln

können. Eine Metapher für die Möglichkeit des gemeinsamen Träumens ist die Kunst-Installation im Foyer des Schlosses,

das Mobile aus 80 Traumfängern, das Besucherinnen und Besucher in der kreativen Woche zusammen herstellten und

dem Schloss spendeten. Piotr Wagner von der Deutsch-polnischen Stiftung für Kulturpflege und Denkmalschutz, der für

die Veranstaltung ein unterstützender Gastgeber war, ermöglichte den Gästen außerdem noch eine zweisprachige

Besichtigungstour von Teilen des Schlosses.

 

Besonders freuten wir uns, Menschen begrüßen zu dürfen, die schon ein zweites oder drittes Mal in diesem Jahr ans Schloss nach Sztynort zurückkehrten und dort etwas gefunden hatte, das sie zurückrief. Piotr und Beata kamen so zum Beispiel extra aus Kaschuben für die Feier am Schloss angereist. Sie waren im Sommer bereits an den Workshops beteiligt und nutzten unsere Veranstaltung auch als Anlass, noch einmal ihre Sehnsuchtsbucht am Dobskie See per Boot anzusteuern. Mieczysław kam mit einer seiner zwei Töchter, die nach der Begegnung im Sommer nun schon Ideen entwickelt, wie sie mit ihren Schulfreundinnen Vera von Lehndorff zu einem gemeinsamen Projekt in Sztynort gewinnen könnte. Prof. Wojciech Łukowski, aus Warschau, kam der auch schon bei der Eröffnung zugegen waren, das Wort, und teilte seine Philosophie der Zeit mit den Anwesenden. Zeit, so meinte er, verliefe nicht gerade, sondern oft spiralförmig. Manchmal müssten sich Situationen und Ereignisse wiederholen, mit neuen Chancen und neuen Gesichtern, um ans Ziel zu gelangen. Das käme ihm in Sztynort ganz deutlich so vor.

 

Mit von der Partie waren auch die zwei Zimmerleute Malte Urban und Paul Neumann aus Dass in Deutschland die mittelalterliche Tradition der mehrjährigen Walz noch existiert, beeindruckte viele der Gäste, vor allem die polnischen Anwesenden. Malte Urban ist zu Beginn seiner Wanderschaft, der Walz, und Paul Neumann hat seine Lehrzeit auf der Walz bereits hinter sich. Die beiden jungen Männer waren allerdings schnell wieder aus der Feiergemeinschaft verschwunden - denn es war noch Arbeit für sie angesagt. In den nächsten Monaten liegt die Zukunft des Mausoleums in ihren Händen und denen von Mathias Hohl, dessen Firma Hohlbud die Sanierung ausführt. Die Ausstellung „Chronist unserer Träume. Schloss Sztynort 1947-2017“ wird auch in den Herbstmonaten noch zu sehen sein. Erfreulicherweise erwies sich die aus einer Not geborene Konstruktion aus Plakaten und Gewächshausfolie als wetterbeständiger als zunächst angenommen.

 

Erfahrungsbericht von Kamil Wiliwis, Praktikant im "Sonnigen Haus", Goldap.

 

Eine besondere Freude machte uns Kamil Wiliwis, als er uns seinen Bericht von der Veranstaltung zukommen ließ:

 

„Von nicht allzulanger Zeit, am 23. September fuhren wir im Rahmen eines ganztägigen Trainings nach Sztynort.

In unserer Gruppe waren: Herr Direktor Marcin Białous, Łukasz, und ich, Kamil. Vor Ort hieß uns die sympatische

Hannah Wadle willkommen, die ursprünglich aus Deutschland kommt, in England wohnt, und sich der polnischen

Sprache sehr gut bedient. Nach der offiziellen Begrüßung, während der das Blasorchester aus Wegorzewo spielte,

machten wir eine Bootstour.

 

Von unserer Anlegestelle aus ging es als nächstes weiter zum Mausoleum von Sztynort, wo eine ökumenische

Andacht mit katholischer und evangelischer Beteiligung stattfand, die auf Polnisch und auf Deutsch durchgeführt

wurde. Auch hatten wir das Vergnügen den Vortrag des Archäologen Dr. Jerzy Łapo über die Geschichte des

Mausoleums in Sztynort anzuhören. Der Vortrag wurde ins Deutsche übersetzt. Nach der Andacht war Zeit für

die Bootsfahrt zurück.

 

Nach dem Anlegen im Hafen begaben zur Verköstigung leckerer Kuchen, extra für den Anlass gebacken.

Am Ende besichtigten wir nach das Schloss in Sztynort. Es ist in schlechtem Zustand und Piotr Wagner,

der uns im Schloss führte, erzählte uns, dass das Schloss nicht während des Krieges, oder während des

Sozialismus, sondern tatsächlich in den letzte 20 Jahren die größten Schäden erfahren hat. Nach der

Besichtigung machten wir noch ein Erinnerungsphoto und luden die Intiative Stn:ort zu uns nach Gołdap

ein. Dann fuhren wir gut gelaunt zurück in unsere Einrichtung, das Sonnige Haus (Słoneczny Dom).

 

Autor: Kamil Wiliwis, 26.09.2017

 

Zur Webseite der Einrichtung Sloneczny Dom (Sonniges Haus) in Goldap geht es hier

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